Das iPhone OS 3.2 – Ein tieferer Blick

Eine der Fakten, über die beim iPad lange gestritten wurde, ist das System, welches darauf laufen soll: würde es ein abgespecktes und Multitouch-optimiertes Mac OS X oder ein vergrößertes und erweitertes iPhone OS sein? Apple hat sich schließlich für das iPhone OS entschieden – es ist bereits ein schlankes, schnelles, einfach zu bedienendes und für mobile Geräte wie Smartphones optimiertes OS. Entgegen mancher Gerüchte wurde das iPad allerdings nicht zeitgleich mit dem iPhone OS 4.0 vorgestellt, stattdessen beschränkte sich Apple darauf lediglich einen Versionssprung hinter dem Punkt zu machen – und zwar ausschließlich dem iPad zu Liebe. Das iPhone OS 3.2 wird nur auf dem iPad laufen, iPhone und iPod Touch Besitzer können sich also getrost zurücklehnen und auf das iPhone OS 4.0 warten, das wahrscheinlich im Sommer, etwa zur diesjährigen WWDC, vorgestellt wird und iPhone und iPad OS wieder zusammenführt.

Dennoch sind dem iPhone OS auch in diesem Versionssprung einige Änderungen widerfahren, sowohl rein optische als auch tiefergehende. Viele eingebauten Apps wurden von Grund auf neu für das iPad geschrieben und bekamen ein neues Full-Screen-Interface, wie wir bereits ausführlich berichteten. Manche Apps fehlen noch, hier könnte Apple noch mit einer Innovation wie einem Dashboard überraschen, darüber ist allerdings bisher noch nichts bekannt. Einigen Orten und Plätzen auf dem Gerät sind jedoch handfeste Änderungen widerfahren, die bald vielleicht auch das iPhone erobern könnten.

So besitzt der Homescreen ein neues Erscheinungsbild. Das Wallpaper erscheint nun auch direkt auf dem Homescreen und nicht nur, wie bisher, auf dem Lockscreen – auf dem größeren Display sieht das auch deutlich schöner aus als auf einem gequetschten iPhone Screen, der möglichst platzsparend geschaffen werden musste. Deshalb werden die App-Icons jetzt auch etwas größer und mit Schattenwurf dargestellt und haben einen größeren Abstand zueinander. Auch die Hierarchie des Homescreens hat sich verändert: die Apps können jetzt in vier Spalten und bis zu fünf Reihen angeordnet werden. Ins Dock passen bis zu sechs Apps, wenn auch standardmäßig nur vier darin platziert sind. Außerdem funktioniert der Homescreen auch im Landscape-Modus, in dem es über fünf Spalten und nur vier Zeilen verfügt.

Aber nicht nur der Homescreen und die Apps haben sich verändert, auch tiefer im System hat sich einiges getan: so werden jetzt auch Split-Views und Pop-Ups unterstützt. Split-Views sind verschiebbare Trennlinien zwischen zwei Bereichen, wie man sie vom Mac aus Programmen wie Mail oder Adressbuch kennt. Pop-Ups sind “schwebende” Menüs, in denen Entwickler allerhand verstauen können. Ebenfalls neu: Apps können nun ganz eigenen Platz auf der Festplatte reservieren und so freigegebene Ordner erstellen, auf die man vom Mac aus zugreifen kann; sog. “File-Sharing”. Das vereinfacht den Dateiaustausch zwischen iPad und Mac enorm. So kann man bei den Mobilversionen von Pages, Keynote und Numbers einfach vom Mac aus auf ihre jeweiligen freigegebenen Ordner zugreifen und Dateien auf das Gerät bewegen. Diese Neuerung ermöglicht es auch in Mobile Safari Dateien herunterzuladen und diese später auf den Mac zu spulen. Selbstverständlich können auch Drittentwickler davon Gebrauch machen.

Auch zwei neue Multitouch-Gesten bringt das Gerät mit sich: man kann den Finger nun für längere Zeit halten oder zwei Finger drehen, wie man es schon vom MacBook kennt. Nichts weltbewegendes, wären auf dem iPad doch noch viel mehr Multitouch-Gesten möglich, die auf dem iPhone aufgrund des begrenzten Platzes entfallen. Aber Apples anfängliche Zurückhaltung ist verständlich, würden zu viele Multitouch-Gesten den Kunden doch nur zu sehr verwirren – das Gerät soll schließlich noch leicht zu bedienen sein.

Auch eine kleine, aber feine Neuerung, die das iPad ein kleines Stück mehr zum Arbeitsgerät macht: wenn man per Email eine Datei erhält oder über eine App wie Dropbox Dateien verwaltet, existiert nun eine Option, mit der man ein Programm auswählen kann, das diese öffnen kann – dieses Programm muss das nur vorher im System hinterlegt haben. Auch neu sind eine verbesserte Rechtschreibprüfung sowie verschiedene Schriftarten, was einem zum Beispiel bei der iBook-App sehr zugute kommt.

Auch neu ist die systemweite große Tastatur, die die Größe einer realen Tastatur besitzt und sowohl den Portrait- wie den Landscape-Modus unterstützt. Auch neu ist, dass man in speziellen Programmen wie Numbers zwischen unterschiedlichen Tastaturen wechseln kann – es ist schließlich alles Software, wie Steve Jobs auf der Keynote betont. So erhält man auf Wunsch auch ein Numberpad oder spezielle Schaltflächen zur Datumeingabe.

Auffällig ist die augenscheinliche Einbindung einer Videochat-Funktion in das System, wie viele Entwickler, die sich bereits das neue SDK heruntergeladen haben, berichten: es scheint so, als hätte Apple bis kurz vor der Veröffentlichung an eine Einbindung für eine Frontkamera gearbeitet und diese erst in letzter Minute aus dem Repertoire gestrichen, womöglich aufgrund technischer Probleme oder Lieferengpässen. So besitzt das Adressbuch eine Option, mit der sich Bilder direkt aufnehmen lassen sollen. In den Einstellungen sind außerdem jede Menge Optionen für Videotelefonie zu finden.

Auch die Hacker werden dieses Gerät nicht verschlafen: laut engadget hat es bereits ein fleißiger Entwickler geschafft die Multitasking Apps Backgrounder und ProSwitcher auf dem iPad Simulator laufen zu lassen.

Einige Features sind jedoch ausgeblieben: so zum Beispiel das lang ersehnte Multitasking, das Apple bisher aufgrund von zu großer Hardwareauslastung und einer zu komplexen Bedienung ablehnte. Auch Flash lässt Apple weiterhin außen vor – und dies wird nach Aussagen Apples auch fürs erste so bleiben, mit Flash nehme man einen unkontrollierbaren Systembestandteil auf sich, der längst veraltet ist und jederzeit verrückt spielen könnte. Aber zumindest, was Multitasking und viele andere Wünsche anbelangt, könnte es bald Hoffnung geben: das iPhone OS 4.0 wird vermutlich in den nächsten Monaten erscheinen, ein wahrscheinlicher Termin ist die diesjährige WWDC. So lange heißt es warten – oder die Videos von Oceanobservations ansehen, die sich bereits fleißig Gedanken für das kommende OS gemacht haben.

One Response to Das iPhone OS 3.2 – Ein tieferer Blick

  1. Ken sagt:

    Fullscreen-Interface? Was haben iPhone und iPod Touch dann? ;-)

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