Das iPad im Detail – was es kann und was noch fehlt

Bis Mittwoch Abend um siebzehn Uhr brodelte die Gerüchteküche rund um Cupertino, wie sie es lange nicht mehr tat: Apple werde ein neues Gerät herausbringen, einen mobilen Computer mit Touchdisplay, einen Killer in allen nur erdenklichen Bereichen. Die Erwartungen stiegen fast bis ins Unermessliche, nicht zuletzt, weil Apple-CEO Steve Jobs auch selbst vor der Keynote ankündigte, das diese Keynote werde eine der wichtigsten in seiner Karriere.

Mittwoch Abend um 19.00 Uhr kam dann die Erlösung für alle sehnlich wartenden Apple-Fans: live aus San Francisco stellt Steve Jobs, wie wir ihn kennen und lieben, begeistert das neue Gerät vor: es heißt iPad und soll die Lücke zwischen einem vollwertigen mobilen Computer und einem Smartphone schließen. Wir haben das iPad genauer unter die Lupe genommen und werfen einen tiefen Blick in seine Vor- und Nachzüge.

Das iPad ist hauptsächlich ein Komsumergerät. Wie Steve Jobs bereits am Anfang erklärte, müsse ein Tablet-Gerät wie das iPad einige Schlüsselfunktionen besser können als das Smartphone und der Computer. Dafür zählt Steve Jobs bekannte Dinge wie Mail, Serven im Web, Filme und Musik auf, aber auch eBooks.

Um diese Funktionen zu erfüllen, läuft auf dem iPad ein erweitertes iPhone OS – das OS 3.2, welches speziell für das iPad entwickelt wurde. Die Vorzüge des iPhone OS gegenüber einer Desktopversion von Mac OS auf diesem Gerät leuchten schnell ein: es läuft sehr flott, ist einfach zu bedienen und für eine Touch-Oberfläche optimiert. Auch kann man das iPad beliebig wenden und sogar auf den Kopf drehen, Landschafts- und Portraitmodus sind ebenso möglich.

Dennoch erinnern viele Apps des angepassten OS auf diesem Gerät stark an die Desktop-Version:

Mail zeigt im Landschafts-Modus links eine Spalte mit den Emails, im Portrait-Modus wird es auf die entsprechende Email fixiert. Emails lassen sich über eine neue virtuelle Tastatur schreiben, die die Größe einer realen Tastatur besitzt und das Tippen auf dem Gerät stark vereinfacht.

Safari zeigt die Websites fast in Originalgröße an. Wem es dennoch zu klein ist, der kann über die vom iPhone bekannten Pinch-Gesten oder per Doppelklick ganz leicht ein- oder auszoomen. Die Buttons haben sich wie in der Desktop-Version von Safari in die Adressleiste am oberen Rand des Bildschirms verlagert. Auch hier sind natürlich Landschafts- und Portraitmodus möglich. Die Lesezeichen erscheinen in einer hübschen neuen “schwebenden” Bar. Flash unterstützt das OS allerdings weiterhin nicht.

Die Foto-Library ist ebenfalls stark von iPhoto inspiriert. Die Fotos lassen sich in Stapeln anzeigen, die den Ereignissen in iPhoto entsprechen. Durch eine Pinch-Geste lässt sich ein Stapel genauer einsehen, ohne ihn zu öffnen. Natürlich lassen sich Fotos auch bildschirmfüllend anzeigen, hier kann man schnell durch die Fotos blättern. Neben einer eingebauten Diashow haben es auch die Funktionen “Gesichter” und “Orte”, die man von iPhoto kennt, auf das Gerät geschafft.

Der iPod erinnert optisch auf den ersten Blick sofort an iTunes. In einer Leiste oben kann man die Lautstärke verändern, vor- und zurückspulen, abspielen und suchen. Die Alben werden in einer Gitteransicht präsentiert, beim Tippen auf ein Album dreht es sich in einer hübschen Animation und man kann den Song auswählen. Auch ein Vollbildmodus, bei dem der Cover zu sehen ist, ist möglich.

Videos lassen sich in einem hübschen On-Screen-Player abspielen, den Snow-Leopard-Nutzer bereits aus QuickTime X kennen. Außerdem lassen sich neben der Beschreibung auch die einzelnen Kapitel einblenden, über die man schnell wechseln kann. Man kann sich die Filme aus iTunes, Fernsehsendungen und Musikvideos ansehen.

Die YouTube-App wurde ebenfalls überarbeitet und erhält ein neues hübsches Design. Neben dem Video selbst lassen sich auch leicht Kommentare, Wertungen, ähnliche Videos und Videos vom selben Uploader anzeigen – wie eben aus dem Browser gewohnt.

iTunes- und App-Store sind natürlich auch über das Gerät zugänglich; auch sie werden in einem neuen hübschen Look präsentiert.

Die Maps-App ist ebenfalls vorhanden, viel geändert hat sich an ihr allerdings nicht, außer dass sie – natürlich – bildschirmfüllend ist. Dank GPS-Sensoren und Kompass lässt sich auch auf dem iPad der aktuelle Standort anzeigen.

Adressbuch und Kalender zeigen sich in einem völlig neuen Look, der selbst mit der Desktop-Version nur vereinzelt Ähnlichkeiten besitzt. Sie erinnern stark an ein Notiz- bzw. Adressbuch. Im Kalender lassen sich Ereignisse und Aufgaben in einer Tag-, Wochen-, Monats- oder – wie manche Mac-Nutzer sie aus alten Zeiten kennen – Liste anzeigen. Im Adressbuch wird links eine Liste aller Kontakte angezeigt und rechts die Detailansicht der Adresse. Auch die Notiz-App ist fürs iPad verfügbar.

Neben den (halbwegs) bekannten Apps werden künftige Käufer des iPads auch eine App namens iBooks vorfinden, mit der sich Apple, wie spekuliert wurde, in den eBook-Markt einmischt. In einem dem iTunes- und dem App-Store ähnelnden Book-Store lassen sich eBooks für einen geringen Preis runterladen und landen in der lokalen Bibliothek, die in Bücherregal-Optik präsentiert wird. Wer ein Buch “aufschlägt”, kann entweder im Portrait-Modus einzelne Seiten oder im Landschaftsmodus die (vom Buch) gewohnte Doppelseite ansehen. Blättern geschieht in einer hübschen Animation. Es lässt sich auch die Schrift verändern und ein Inhaltsverzeichnis anzeigen. Allerdings wird iBooks vorerst nur in den USA verfügbar sein, für den Rest der Welt heißt es: warten, bis Apple Verträge mit Verlagen aus anderen Ländern abgeschlossen hat.

Zusätzlich dazu hat Apple seine iWork-Suite ebenfalls für dieses Gerät entwickelt – wohl um auch die professionelleren Nutzer von ihrem Gerät zu überzeugen. Pages, Keynote und Numbers präsentieren sich in einem komplett neuen Look, sind der Desktop-Version allerdings in ihrem Funktionsumfang sehr ähnlich. Sie alle nutzen die neue große virtuelle Tastatur und erlauben selbstverständlich einen Transfer der Daten zwischen Mac und iPad. Sie werden für 9.99 $ pro App verfügbar sein – also wahrscheinlich für 7.99 Euro.

Es lässt sich außerdem jede beliebige App aus dem App Store laden und installieren. Die Entwickler können ihre Apps mit einem neuen SDK an den großen Bildschirm anpassen (die New York Times, ein Ein-Mann-Entwickler mit seiner App Brushes und einige Spiele-Hersteller zeigen eindrucksvoll, was dadurch möglich ist). Aber auch ohne diese Optimierung läuft jede beliebige App ohne Probleme: entweder sie wird in Originalgröße angezeigt oder vergrößert.

Im großen und ganzen ist das iPad ein großartiges Gerät, das auf den ersten Blick einem überdimensionalen iPod Touch ähnelt, allerdings viel mehr kann. Viele Features – sowohl von der Hard- als auch von der Software sind jedoch ausgeblieben: viele hätten sich eher ein Mac OS gewünscht anstelle des iPhone OS. Auch Features wie Flash oder Multitasking sind hier ausgeblieben. Auch die Hardware hätte besser sein können, so zum Beispiel ist die lang vermutete Front-Kamera für Videokonferenzen ausgeblieben. Apple hat außerdem seinen eigenen Prozessor entwickelt, einen A4 mit 1,00 GHz an Leistung. Beachtenswert ist auch die Batterie, die im laufenden Modus bis zu 10 Stunden aushält – und im StandBy-Modus länger als einen Monat. Zumindest aber in Sachen Software könnte es bald noch “Hoffnung” geben: für den Sommer wird ein komplett neues iPhone OS 4.0 erwartet, dass iPhone und iPad wieder softwaremäßig zusammenführt.

Zumindest aber der Preis hat dann doch alle überrascht: das iPad startet bei 499 $! In Deutschland wird das vermutlich 459 Euro entsprechen. Das iPad enthält jeweils 16, 32 oder 64 GB, die teureren Geräte kosten 599 und 699 Dollar. Außerdem lässt sich jedes Modell mit 3G-Anbindung bestellen, der Preis steigt dann jeweils um 120 $. WiFi sowie die neuste Bluetooth-Version ist standardmäßig integriert.

Das iPad wird in 60 bzw. mit 3G 90 Tagen weltweit auslieferbar sein.

Sind die Meinungen über das neue Wundergerät von Apple doch höchst verschieden, sind wir von der Redaktion doch recht zufrieden mit dem Gerät – es ist, wie schon erwähnt, eben ein Komsumergerät, das man gut im Wohnzimmer oder in der Bahn nutzen kann. Wie das Gerät von den potentiellen Kunden angenommen wird, wird sich allerdings erst in 60 Tagen zeigen. Im Moment allerdings sieht es so aus, als ob das iPad bereits zahlreiche “Liebhaber” gewonnen hat.

Das war ein erster Blick mit vielen Details auf das neue Zaubergerät. Auf dieser Seite werden wir euch weiterhin auf dem Laufenden über das iPad halten und bald einige Apps oder Funktionen genauer unter die Lupe nehmen. Wenn euch diese Seite gefällt, sagt sie weiter, wir freuen uns über jeden neuen Leser. Euer Team vom iPadPress-Blog!

One Response to Das iPad im Detail – was es kann und was noch fehlt

  1. [...] für das iPad geschrieben und bekamen ein neues Full-Screen-Interface, wie wir bereits ausführlich berichteten. Manche Apps fehlen noch, hier könnte Apple noch mit einer Innovation wie einem Dashboard [...]

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